Muss Mama immer guter Laune sein?

Als Eltern sind wir – zumindest in den ersten Jahren - die größten Vorbilder unserer Kinder. Und so benehmen wir uns dann auch gerne, wie wir es uns von ihnen wünschen: Immer höflich, fröhlich, freundlich... Oder glauben wir nur, dass wir so benehmen sollten?

Darf ich meinen Kindern meine "schlechten" Gefühle zeigen?

Und was ist, wenn Mama mal schlechte Laune hat? Darf ich das meinen Kindern zeigen? Oder sollte ich lieber so tun, als wäre alles supertoll?

„Natürlich nicht“, sagt die Paar- und Familientherapeutin Kerstin Weidner von der Erziehungs- und Familienberatungs- und –bildungsstelle "Familie im Zentrum" in Trägerschaft des EJF.  Bei gesunden Kindern und gesunden Eltern ist es vor allem wichtig, authentisch zu sein. Es ist völlig in Ordnung zu sagen: „Heute bin ich mal müde, heute bin ich total platt.“ Diese Zustände kann auch ein kleines Kind verstehen, das die Sprache nicht vollständig beherrscht.

Traurigkeit ist ein sehr schweres Gefühl

Allerdings gibt es Einschränkungen, denn es gibt durchaus Gefühle, die ein kleines Kind überfordern oder überwältigen können. Traurigkeit zum Beispiel: „Traurigkeit ist ein sehr schweres Gefühl. Das Kind kann mit dieser Rückmeldung von den Eltern nur dann etwas anfangen, wenn die Begründung nachvollziehbar ist (ein Haustier ist gestorben). Zu schnell wird eine solche Rückmeldung pauschal an die Kinder weitergegeben. Das irritiert und überfordert Kinder dann erheblich, weil sie mit diesem Zustand ihrer Eltern nichts anfangen können. Oft wird in diesem Fall  versucht, die Mutter aufzuheitern was nicht die Aufgabe eines Kindes ist.“, erklärt Therapeutin Weidner

Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass das Kind Schuldgefühle gegenüber der Mutter entwickelt, weil es  die Mutter nicht trösten oder aufheitern kann und daher sich selbst als Ursache dieser Traurigkeit fühlt.

Ein pauschales "Ich kann nicht mehr" besser vermeiden

Ein anderer Satz, den Eltern besser vermeiden sollten ist: „Ich kann nicht mehr.“ „Auch diese Aussage wiegt viel zu schwer wenn sie so allumfassend geäußert wird. Es ist besser dem Kind ganz konkret zu vermitteln, dass man jetzt gerade mal eine Pause machen muss, sich kurz mal Ausruhen möchte“, rät Weidner.

Den Umgang mit solchen Zuständen, „schlechten Launen“ und Gefühlen lernen Kinder am besten im Moment. Müdigkeit, Erschöpfung, Hunger, Ungeduld – aber auch Wut und Ärger. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach auseinanderzuhalten was nun ein Gefühl und was ein Zustand ist, wobei Gefühle sich dadurch auszeichnen, dass sie uns innerlich emotional bewegen. Körperliche Erschöpfung oder Müdigkeit sind dagegen physische Zustände – wobei natürlich das eine das andere bedingen kann.

Wut ist Okay

Nehmen wir einmal das Beispiel Wut: Wenn etwa ein anderes Kind deinem Kind das Auto oder die Puppe wegnimmt, dann darf es sich ja auch wirklich ärgern.  Und auch wenn das Kind aus anderen Gründen wütend ist oder ärgerlich wird, darf man ihm das ruhig sagen. Später kann es sich dann leichter Situationsgebunden an dieses Gefühl zurückerinnern.

Und wenn Papa oder Mama wütend oder ärgerlich sind, dann ist ganz klar, was da gerade in ihnen vorgeht. Ganz kleine Kinder werden in so einem Fall nicht unbedingt eine Erklärung fordern, später ist es wichtig, die Ursache der Wut altersgerecht zu erklären. Es ist ja nicht so, dass Eltern unbedingt immer nur auf ihre Kinder wütend sein müssen – das kann ja auch der Chef sein, der Partner, die Schwiegermutter. Oder einfach, weil eine Erwartung nicht erfüllt wurde. 

Mit der Wut umgehen

Gegenüber dem Kind geht es nicht darum, die genauen Zusammenhänge zu schildern. Aber es ist wichtig, klar zu stellen, dass die Wut sich nicht gegen das Kind richtet, etwa: Papa ist wütend, weil er den freien Tag nicht bekommen hat auf den er sich so gefreut hat. Das reicht oft schon – denn das Kind kann dies nachvollziehen. 

Es ist sogar in Ordnung laut zu sagen, dass man jetzt mal ins Kissen boxen muss oder kurz rausgehen und durch den Park rennen, um sich abzureagieren und seinen Ärger loszuwerden. Probiert es mal aus – das tut wirklich gut. Und es zeigt euren Kindern, dass man seine unerwünschten Gefühle nicht an den Mitmenschen auslassen muss, sondern sich auch anders abreagieren kann. Wir müssen uns als Eltern nicht das Recht nehmen, unsere Gefühle zu zeigen. Im Gegenteil!

Seid ruhig mal schlecht gelaunt!

Deshalb liebe Mamas und Papas, ihr dürft ruhig mal schlecht gelaunt sein. Nehmt euch eine Auszeit von dem perfekten Rollenvorbild, das ihr für euer Kind vielleicht im Kopf habt. Sagt lieber klar und deutlich, dass ihr eure Ruhe braucht, euch kurz mal hinlegen oder austoben müsst. Dann weiß euer Kind was los ist  und hat nicht das ungute Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.

Schlechte Laune, keine Lust? Dann haben wir hier noch ein paar Links für euch ;)

  • Wie ist das bei euch? Zeigt ihr eure Launen? Diskutiert mit und im Forum.
  • Hier findet ihr Tipps dazu, wo ihr Hilfe finden könnt, wenn der Alltag mit Baby zu viel wird.
  • Auch in der Partnerschaft ist es nicht immer leicht ehrlich seine Gefühle zu zeigen: Was, wenn Mama keine Lust hat?