Schiefer Rücken: Wann muss mein Kind zum Kinderorthopäden?

Kinder lümmeln gern. Sie sitzen mit rundem Rücken am Schreibtisch oder schlurfen mit hängenden Schultern durch die Wohnung, anstatt sich aufrecht zu halten. Meist ist das ganz harmlos und legt sich von selbst – aber eben nicht immer. Hier erfährst du, was hinter dem schiefen Rücken deines Kindes stecken könnte.

Marotte oder Krankheit?

Um herauszufinden, ob der krummen Haltung ein ernstes Problem zugrunde liegt, solltest du immer wieder auf den Rücken deines Kindes achten. Sitzt es nur gebeugt über dem Esstisch, wenn es müde oder schlecht gelaunt ist, oder handelt es sich dabei um einen Dauerzustand? Fallen die Haltungsprobleme permanent auf, ist das ein Alarmzeichen.

Eine gesunde Wirbelsäule ist leicht doppelt-S-förmig gebogen. Gleicht der Rücken einem „C“ oder einem „I“, könnte das Kind einen Rund- oder Flachrücken entwickelt haben. Ist die Wirbelsäule schief und neigt sich zur Seite, könnte dagegen eine Skoliose vorliegen.

3 Haltungstests für dein Kind

  1. Vermutest du eine Haltungsschwäche bei deinem Kind, kannst du zum Beispiel den Test nach Matthias durchführen. Dabei streckt das Kind seine Arme waagrecht nach vorne aus: Beginnt es nach einer halben Minute, die Schultern nach hinten zu ziehen, ins Hohlkreuz zu gehen oder das Becken nach vorne zu kippen, um die Position halten zu können, liegt vielleicht tatsächlich ein Haltungsproblem vor.
  2. Einen Rundrücken kannst du gezielt prüfen, indem du dein Kind dicht vor eine Wand stellen. Ist der Hinterkopf nicht im Kontakt mit der Wand, auch wenn sich das Kind nach hinten neigt, ist der Rücken womöglich zu stark gewölbt.
  3. Hinweise auf Skoliose erhälst du, wenn sich dein Kind nach vorne beugt. Rippen und Wirbelsäule zeichnen sich nun deutlich unter der Haut ab und Schiefstände lassen sich leichter erkennen. Sind Auswölbungen der Rippen auf einer Seite erkennbar, könnte eine Skoliose vorliegen. Diese Erkrankung ist allerdings recht selten.

Da sich die Wirbelsäule während des Wachstums ständig verändert, lassen sich Haltungsschäden oft erst verzögert eindeutig bestimmen. Wenn du vermutest, dass dein Kind betroffen sein könnte, lohnt sich der Besuch beim Kinderorthopäden. Du kannst zunächst auch deinen Kinderarzt aufsuchen.

Was dich in der Kinderorthopädie-Praxis erwartet

Erfahrene Kinderorthopäden erkennen Probleme oft schon anhand der Körperhaltung. Aber es gibt auch verschiedene Tests und Untersuchungen, um den ersten Verdacht zu bestätigen.

Beim Anamnesegespräch möchte der Arzt zunächst erfahren, welche Beschwerden genau aufgetreten sind, ob die Beweglichkeit eingeschränkt ist,  besondere Belastungen beim Sport oder in der Schule bestehen oder Grunderkrankungen vorliegen.

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung, bei der zum Beispiel die Flexibilität der Wirbelsäule überprüft wird.

Je nach Beschwerdebild nutzt der Kinderorthopäde verschiedene Untersuchungsverfahren. Zur Bestätigung eines fixierten Rundrückens (Morbus Scheuermann) oder einer Skoliose dient eine Röntgenaufnahme, die Verformungen eindeutig zeigt und ihren Schweregrad objektiv messen lässt.

Wie geht’s weiter?

Nach der Diagnosestellung wird der Arzt eine individuelle Therapie für Ihr Kind erarbeiten und Ihnen Verhaltenstipps für den Alltag mit auf den Weg geben.

Bei schwerer Skoliose kann ein Korsett notwendig sein, Rundrücken lassen sich dagegen meist gut mit Krankengymnastik behandeln. Prüfen Sie auch, ob der Schulranzen Ihres Kindes zu schwer ist und womöglich zur Schiefstellung des Rückens beigetragen hat. Schon bei einer Last von zehn Prozent des Körpergewichts können Ermüdungserscheinungen im Schulterbereich auftreten.

Ermuntern Sie Ihr Kind außerdem, sich zu bewegen – sei es beim Vereinssport, beim Spiel mit Freunden oder in einer Turnecke im Zimmer mit Matratzen, Schaumstoffrollen oder einer abnehmbaren Reckstange im Türrahmen. Denn ein starker Rücken bleibt von ganz allein aufrecht.