Ist eine Wassergeburt etwas für mich?

Für viele Frauen klingt eine Wassergeburt wie ein Traum. Über die Jahre ist auch die Akzeptanz dafür gestiegen. Was dabei wirklich auf euch zu kommt, erfahrt ihr hier.

Um es vorwegzunehmen: Eine Wassergeburt ist sanfter und selbstbestimmter – und die meisten Frauen, die so eine natürliche Geburt erleben konnten, ist die Erfahrung unvergesslich. Sie würden es immer wieder tun. Die meisten, wenn nicht sogar alle Geburtshäuser in Deutschland, bieten heute die Möglichkeit einer Wassergeburt an. Und die Mehrheit der Frauen, die sich für eine Entbindung im  Geburtshaus entscheiden, favorisiert es sogar, ihr Kind im Wasser zu gebären, so zumindest nach Angaben des Berliner Geburtshaus Charlottenburg.

Was spricht gegen eine Wassergeburt

In vielen Kliniken und Krankenhäusern gehören Badewannen und Becken zwar mittlerweile auch zum Standard, aber letztlich ist die Zahl der tatsächlichen Wassergeburten auch weiterhin weit unter dem der „normalen“ Geburten. Vielleicht auch daran, weil eine Geburt im Becken für die Geburtshelfer anstrengender ist. Und auch, weil trotz der beruhigenden und scherzlindernden Wirkung des Wassers, der Gebärenden keine Periduralanästhesie (PDA) gegeben werden kann. Denn durch die Betäubung können Frauen die Wanne nicht selbstständig verlassen sollte es während der Geburt doch Komplikationen geben.

Standardgeburt ist einfacher für Ärzte und Geburtshelfer

Und ja, es stimmt: Bei der Standard-Rückengeburt ist es für den Arzt einfacher, das Kind in Empfang zu nehmen oder bei Komplikationen aus dem Mutterbauch zu holen, denn die Mutter muss nicht mehr umgelegt werden. Für mich persönlich wäre diese Position eine echte Tortur gewesen. Mein Mädchen kam in Steißlage zur Welt und ich hing kniend am Bettrand.

Eine Wassergeburt kam während der Steißlage leider nicht in Frage, da die Geburtshelfer in dieser Situation nicht genügend Einblick haben, wenn das kind im Wasser, den Geburtskanal passiert. Auch Zwillinge oder Babys, die zu Beginn eine unregelmäßige Herzfrequenz haben, sollten nicht im Wasserbecken zur Welt gebracht werden. Sind du und deiner Kind aber gesund, steht einer Wassergeburt nichts im Wege.

Wie läuft eine Wassergeburt ab?

Zuerst bekommst du einen Einlauf. Denn natürlicherweise wird bei jeder Geburt auch etwas Stuhlgang abgesondert, diese mögliche Verunreinigung des Wassers wird mit dem Einlauf reduziert. Dann darfst du in die Wanne steigen, die deutlich größer und höher ist als eine Badewanne. So kannst du dich im angenehm warmen Wasser (32 bis 37 Grad Celsius) bequem bewegen und drehen. Übrigens: Manche Gebärwannen sind auch mit einer Tür augestattet, die im Notfall geöffnet werden kann, um dich herauszuholen, wobei sich das Wasser dann auf den Boden ergießt, aber das nur als Nebensache. Du darfst die Wanne natürlich auch jederzeit aus freiem Willen verlassen.  Übrigens: Es gibt auch wasserfest Herzton- und Wehenschreiber, die dein Baby überwachen.

Vorteile des Wassergeburt für die Mutter

  • Bei 57% der Erstgebärenden im Wasser (568 von 994) gegenüber 36% im Bett und 48% auf dem Hocker war weder ein Dammschnitt noch ein Dammriss zu verzeichnen.
  • Bei den 2.250 Frauen, die in der Wanne geboren haben, konnte in aller Regel auf Schmerzmittel verzichtet werden, da die entspannende und schmerzlindernde Wirkung des Wassers ausreichend war.
  • Die Geburtsdauer war bei den Erstgebärenden, die im Wasser geboren haben, deutlich kürzer (siehe Tabelle)
  • Quelle: Thöni Albin: Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.250 Wassergeburten - Über die Keimbesiedelung des Wassers in der Gebärwanne und die Infektionsgefahr für Mutter und Neugeborenes. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 1, 2008, Thieme Verlag
 

Ergebnisse nach der Studie von Thöni Albin:
Gebären im Wasser

  Wassergeburt (N=994) Gebärbett (N=622) Hockergeburt (N=247)
EP (min) Durchschnitt: 375 (mind. 120 bis max.960) Durchschnitt: 475 (mind. 130 bis max.1020) nicht berücksichtigt, da EP nicht auf Hocker stattfindet
AP (min) Durchschnitt: 34 (mind. 10 bis max. 90) Durchschnitt: 37 (mind. 10 bis max. 95) Durchschnitt: 35 (mind. 10 bis max. 80)
Dammschnitte 0,7% (N=7)

15,7% (N=98)

8%

N= Anzahl der Geburten
EP = Eröffnungsperiode (bis Muttermund ganz offen)
AP = Austreibungs- und Pressperiode

Was bedeutet die Wassergeburt für dein Baby?

Obwohl dein Baby bei einer Wassergeburt unter Wasser zur Welt kommt, wird es kein Wasser einatmen. Das wird durch den angeborenen Tauchreflex verhindert, weswegen Neugeborene ja auch automatisch „schwimmen“ können. Dein Baby atmet zum ersten Mal, wenn es auftaucht, bis dahin wird es über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. „Als Folge davon können auch die während der Geburt mit den Faeces der Gebärenden ausgeschiedenen Keime nicht in die Lungen der Neugeborenen eindringen und eine Infektion verursachen“, schreibt Thöni Albin Gynäkologe und Geburtshelfer in seiner Studie „Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.250 Wassergeburten“ Außerdem wird vermutet, dass der Übergang von der Gebärmutter ins warme Wasserbecken für dein Baby sanfter ist und weniger Geburtsstress bedeutet.

Und was ist mit der Gefahr von Keimen im Wasser?

Den Ergebnissen der oben bereits erwähnten Studie von Thöni Albin zufolge müssen sich Gebärende über Keime im Wasser keine Gedanken machen. Zwar ergaben 81% der Proben eine erhöhte Belastung durch coliforme Keime, 58% der Proben durch Escherichia coli, doch mussten nur 1,04 % der im Wasser geborenen Babys wegen des Verdachts auf eine beginnende Infektion ein Antibiotikum verabreicht werden. Dagene waren es bei den Neugeborenen zu Lande 1,75%