Bindung durch Berührung

Das Thema Bindung ist ein essentielles Thema für eine gesunde Mutter-Kind Beziehung. Das Konzept „Bindung durch Berührung“( BdB) ist ein Berührungskonzept, welches auf Basis der Schmetterlings-Babymassage nach Eva Reich und der emotionellen Erste Hilfe (EEH) nach T. Harms entwickelt wurde.

Grundlagen aus der Bindungsforschung 

Grundsätzlich basiert das Konzept auf den Erkenntnissen der Bindungsforschung nach John Bowly. Die Kernaussage des Pioniers besagt, dass der Mensch ein grundlegendes Bedürfnis danach hat, eine enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehung zum Mitmenschen aufzubauen. Sein Modell der Bindungstheorie besagt, dass die sichere Bindung für das Kind die Grundlage bietet, für eine gesunde Entwicklung beim Kind. Was bedeutet sichere Bindung?

Wenn Eltern aufmerksam die Bedürfnisse ihrer Kinder zunächst wahrnehmen und dann dementsprechend darauf reagieren, also mit anderen Worten, die Bedürfnisse erfüllen. Babys haben zunächst einmal grundlegende Bedürfnisse, so wie Nahrung, Schlafen, Liebe und Geborgenheit (Kontakt). Wenn Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder konstant nicht befriedigen, fühlen sich Kinder nicht sicher gebunden. Sicher gebundene Kinder entwickeln besseres Selbstbewußtsein,-selbstwertgefühl und eine starke Selbstbeziehung. Dabei fungieren Eltern als Sicherheitshafen für Kinder, von dem sie sich nach und nach immer weiter entfernen können, wenn sie sich sicher genug fühlen.

Methode und Wirkung

Bindung durch Berührung (BdB) ist ein Berührungskonzept, dass dazu beitragen soll, die Bindung zwischen Eltern und Kindern schon gleich am Anfang durch achtsame und fürsorgliche Berührung zu stärken. Das Konzept kann im Elternalltag, in der therapeutischen Begleitung und allgemein in der Bindungsförderung zum Tragen kommen.

Wie sieht die Methode konkret aus?

Es entwickeln sich sogenannte „Berührungsgespräche“ aus Elementen der Babymassage, dabei werden die Berührungen ganz individuell auf die Bedürfnisse des Babys angepasst, sprich Rhythmus, Ablauf und Dosierung hängen ganz davon ab, wie dein Baby reagiert. Bevor du beginnst, findet eine relativ lange Beobachtungsphase statt, indem du dich auf dein Baby einstellst und auch sensibel erspürst, welche Art der Berührung dein Baby gerade braucht. Dabei wird mit Elementen aus der „Schmetterlingsmassage“ gearbeitet, das bedeutet, die Massage besteht aus „schmetterlingszarten“ Streichungen und Vibrationen sowie aus ruhenden Berührungen, die dem Baby Stabilität vermitteln.

Was bewirkt das Konzept?

Die Achtsamkeit und das In-sich-Ruhen des Behandlers ist ein sehr wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche „Bindung durch Berührung“. Das Prinzip nennt sich „ansteckende Gesundheit“ und kann folgendes bewirken:

  • Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin
  • Entspannung und Stabilisierung des vegetativen Nervensystems
  • Förderung der körperlichen und seelischen Entwicklung des Kindes
  • Innige Begegnung kann zu einer liebevollen Beziehung zwischen Eltern und Kindern beitragen

Wann und wo wird das Konzept angewendet?

  • Allgemein als Bereicherung im Familienleben
  • In der Stillberatung
  • In Geburtsvorbereitungs- und Babymassagekursen
  • Als  schmerzlindernd und vertrauensfördernde Hilfe bei der Geburt
  • Kann der Vorbeugung von Wochenbettdepressionen dienen 
  • Zur Förderung des intensiven und vertrauensvollen Kontakt zwischen Eltern und Kind

Übrigens, was auch sehr interessant ist: das Konzept kann auch in anderen Bereichen Anwendung finden: so zum Beispiel bei der Betreuung von Alten oder kranken Menschen, bei der Begleitung von Sterbenden oder bei der Heilung nach Operationen oder der Aufarbeitung von Traumata.